der tag hatte seinen rhythmus
die hand
der fuß
die asche des vortags im rindenmulch
der zwerg mit dem klistier
die amme am fenster
das echolot im keller
die seifenkiste in der einfahrt
und die noch nicht volljährige braut
die lippen geschürzt
mit losem mieder
auf knatterndem sofa
zur himmelfahrt strebend
taucht durch ein astloch
zur dunkelnden grotte

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Kommentare: 6
  • #1

    klaus (Mittwoch, 17 November 2010 07:08)

    was hältst du davon, den rhythmus zu ignorieren? geht das? kann man den tag verzetteln? ohne ziel? ohne rhythmus? ohne verstand? man gibt sich selbst die hand. man steht sich selbst auf dem fuß. und hüpft. und wenn man hüpft, entsteht wieder ein rhythmus. kann man hüpfen, ohne einen rhythmus zu bilden? halte den fuß! stell dich auf deine hand. schließe die augen und höre zu. alles ist rhythmus. aber: kann man auch ohne? das herz macht, was es will.

  • #2

    flommersfeld (Montag, 29 November 2010 17:18)

    fröhliche weihnacht
    immer im rhythmus
    klingelt das glöckchen
    klingelingeling
    die nikoläuse nehmen den bart ab
    und zeigen ihr wahres gesicht

  • #3

    klaus (Montag, 29 November 2010 20:47)

    der nikolaus ist der wahre weihnachtsheld der niederlande. der 6. dezember wichtiger als der 24. im flachland wachsen die bärte schneller. schweizer bärte sind daher älter, können aber nicht abgenommen werden. daher wird man nie wissen, wer die schweizer wirklich sind. haben sie überhaupt ein gesicht? ein wahres oder ein falsches?
    der nikolaus bringt den anderen kindern ein spielzeugschiff. du selbst bekommst nur ein kleines enttäuschendes paket. dazu muss der alte mann noch nicht mal seinen bart abnehmen. er steht auf der stelle und jahre später erfährst du: kapitalismus!: die mütter der anderen kinder hatten die schiffe vorher bezahlt.
    mit der zeit wächst auch dir ein bart, ein potentiell rasierbarer.

  • #4

    flommersfeld (Freitag, 17 Dezember 2010 14:25)

    gelackte troubadoure toben durch den schnee
    und tanken sonnenmilch
    die langsam knapp wird
    sie klappen ihre zähne in die zukunft
    die wie hinter einem schleier verborgen
    durch die gazetten geistert
    die zukunft war gestern
    von der gegenwart überholt
    legt sie im hühnerstall faule eier
    und pudert welke wangen
    für ein klassenfoto
    auf dem sich keiner gefällt
    nicht alles so negativ sehen
    lächelnd in den tag
    lächelnd wird uns die luft knapp
    aber das sagen wir nicht
    eher beißen wir uns die zunge ab
    wie lautet die botschaft?
    den tag nicht vor dem abend lobend
    bleiben wir ganze abende aus
    und schleichen uns erst morgens ins haus
    verbellt von den eigenen hunden

  • #5

    klaus (Sonntag, 19 Dezember 2010 11:40)

    die luft wird knapp im zimmer. die luft wird knapp an der luft. an der see. auf dem berg. wir wollen die luft loben, am abend, am morgen, am mittag, in der nacht. schlafe bei offenem fenster, deck dich gut zu und: atme! es zirkuliert der schnee, er fällt zu boden und steigt wieder auf. eine einzelne schneeflocke sucht zuflucht in meinem linken nasenloch. atme durch mund, nase und ohren!!

  • #6

    Denise (Dienstag, 16 September 2014 15:09)

    ach, hier tobt ihr euch literarisch aus. schön. ich werde sicher wieder mal vorbeischauen. :-)

wetterumschwung

der wirre apatsche welkt in den bäumen
und verachtet die sonne
die die krähen entzündet wie scheite
der bube geht im mantel durch das haus
und stemmt die steifen mädchen
presst ihre kleider und peitscht mit den zweigen
den ostwind
der uns feuchte tücher
um die waden wickelt
und wolken in die kissen stopft

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Kommentare: 9
  • #1

    klaus (Donnerstag, 28 Oktober 2010 09:09)

    wir müssen nicht immer wieder von vorne anfangen. silvester ist ein tag im jahr. die sonne bleibt zuhause und die dinge fliegen durch die luft. etwas liegt am boden. es wird sich gebückt, geguckt und aufgehoben. wieder hingelegt. du kannst dich gerne wieder hinlegen, man muss nicht immer wieder von vorne anfangen. die dinge fliegen von alleine, du bückst dich und es fliegt. du stehtst und hebst nicht ab. das liegt daran, dass du nicht immer wieder von vorne anfängst. eigentlich würde man doch denken, wenn man immer wieder von vorne anfängt, dann würde man immer und immer schwerer werden. das gegenteil ist der fall. oder?

  • #2

    flommersfeld (Donnerstag, 28 Oktober 2010 14:54)

    drei vögel leicht
    durch die wälder
    sammle ich die krumen
    und lese mein schicksal aus
    das ich nun auf der lichtung erwarte

  • #3

    klaus (Freitag, 29 Oktober 2010 09:23)

    drei menschen schwer
    durch die straßen
    verteilen ihr gewicht
    und halten ihr los
    von dem niemand etwas wissen mag
    kein spalt öffnet sich
    niemand verschwindet
    alles bleibt

  • #4

    klaus (Dienstag, 02 November 2010 08:14)

    es gibt gärten, in denen man nix anbauen kann: steingärten, falsch verstandene zen-gärten, richtig verstandene zen-gärten sowieso. mitten in der landschaft findet sich eine mit weißen bändern eingegrenzte pferdekoppel. zwei pferde darauf, sonntagsstimmung, obwohl montag ist. ein kleines häuschen daneben. am ortseingang ein haus, in dem wir vor 18 jahren ein paar tage verbracht haben. ein laufender fernseher, ein bauschuttcontainer und ein anbau lassen darauf schließen, dass es inzwischen wahrscheinlich privat genutzt wird. nebenan findet sich eine neubausiedlung. ein neugebautes blockhaus aus dicken holzstämmen. bewohnte mythen und bemühtes wohnen.

  • #5

    flommersfeld (Dienstag, 02 November 2010)

    bemühtes wohnen
    ich schwitze und schwitze
    und der papa liest die zeitung
    und die mama backt kuchen
    und mein bruder verliert einen zahn
    er baumelt an einer schnur, die an der türklinke festgeknotet ist
    und ich schwitze
    schwitze

  • #6

    klaus (Mittwoch, 03 November 2010 08:36)

    der tag hatte seinen rhythmus. morgens war es früh. mittags war es bereits um elf. und um vier uhr nachmittags kam das bäckerauto. der tag hatte seinen rhythmus. der ofen. der stuhl. das bild. manche gingen abends schwimmen. wir nicht.

  • #7

    klaus (Freitag, 05 November 2010 08:52)

    die menschen können neben dem ofen sitzen, so viel sie wollen. der papa kann in der zeitung so viele buchstaben sehen, wie er will. die zahl der zähne des bruders sind begrenzt. hat schonmal jemand, der einen zahn verloren hat, ihn auch wiedergefunden?
    opa findet eine abgestürzte rakete vom vortag in seinem garten. er erklärt, betrachtet sie genauer und räumt sie weg.
    früher sind wir zusammen zum schuttplatz gegangen und haben spielzeug aus holz gefunden. das konnte man alles bequem zu fuß erreichen.

  • #8

    flommersfeld (Freitag, 05 November 2010 09:52)

    beine rudern am himmel
    finden keine
    n rhythmus
    tauchen durch ein astloch
    himmel
    himmle
    himmele
    himmeln
    beulen
    beuten
    beugen
    beulen
    beuten
    beine

  • #9

    klaus (Sonntag, 07 November 2010 11:00)

    anstatt meine zehen ins gras zu stecken, sollte ich sie an die ohren halten. ein kurzschluss der gedanken wäre der fall. und die augen gegen den himmel gerichtet, wo irgendetwas demnächst passieren wird. ganz weit oben, weniger weit oben, zum greifen nah. fällt etwas vom dach, brauchen wir eine leiter.
    wir brauchen keine leiter, wenn wir unsere zehen im grase lassen. wir brauchen keinen vater, wenn der blick auf dem boden bleibt.
    wir trinken die milch aus dem beutel und essen selbstausgedachte kartoffeln dazu. gekocht. nicht roh.
    den salat selbst gezupft. traurig. nicht froh.

kalter oktober

das wirre netz der bäume
fischt in welker krähen flug
die sonne bleibt im schuppen
und schichtet scheit für scheit
ein lampion hängt stumm und alt
im leeren haus
nun kämmt auch uns der ostwind
steif die mäntel aus
mädchen tänzeln
sammeln zweige
trinken mit der kleider säume
scheu das nass

ich spiele trotzig meinen buben

den könig berge ich

in meinem herzen

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Kommentare: 10
  • #1

    klaus (Mittwoch, 20 Oktober 2010)

    ein hubschrauber über dem haus fotografiert die ganze siedlung. ein mann zu fuß klingelt an der tür und verkauft die einzelnen bilder. man sieht noch den baum, der später gefällt wird. überhaupt haben die ganzen bäume alles größer wirken lassen. jetzt wo sie weg sind, genügen ein paar schritte und ein langer blick vom friedhof bis zum haus. hinter dem haus, unter dem kleinen fenster zum badezimmer, ist ein handwaschbecken montiert. ich zähle langsam auf französisch. meine cousine drinnen antwortet.

  • #2

    flommersfeld (Donnerstag, 21 Oktober 2010 17:03)

    der hubschrauber kreist über dem haus
    er zerrüttet die stille
    und treibt den vater vor die tür
    dort steht er wie angewurzelt
    er sieht seine erinnerungen in fetzen über den himmel jagen

  • #3

    klaus (Freitag, 22 Oktober 2010 11:15)

    erinnerungen an was? an biere, die er nie trinken wollte? an speisen, die er immer wieder bekam, bloß weil er sie ein einziges mal gelobt hatte? hmmm - das schmeckt - und dann immer wieder und nie mehr was anderes?
    unter dem kirschbaum steht ein tisch. dahinter eine grüne bank. im tisch eine schublade mit einem katalog der deutschen buchgemeinschaft. im sommer kann man hier im schatten sitzen und das geschrei aus dem nahen freibad hören. es gibt ein foto von den eltern.
    und wenn der dackel kommt, kann man auf die angelehnte leiter klettern.

  • #4

    flommersfeld (Samstag, 23 Oktober 2010 23:19)

    immer wieder bilder
    von unbefangenen tagen
    singend das kind durch die straßen fahrend
    und sieht alles zum ersten mal
    im rückspiegel geht die sonne unter
    nach der gegenwart fahndend
    geraten wir ins dunkel
    kaum wahrgenommener nächte
    wo sind wir im schlaf
    ich komme nachhause
    drei vögel leicht
    sanft geht dein atem

  • #5

    klaus (Montag, 25 Oktober 2010 07:56)

    im rückspiegel die zukunft. im scheinwerferlicht die vergangenheit. links ist rechts. und wir fahren rückwärts auf die autobahn.

  • #6

    flommersfeld (Montag, 25 Oktober 2010 18:07)

    Ralf Wolter: Fahrerflucht nach Unfall
    23. Mai 2002, 00:00 Uhr

    DREI TOTE: Riskantes Wendemanöver auf der Autobahn. Schauspieler in Schwarzenbek gefasst.

    Mölln/Hamburg. Der Schauspieler Ralf Wolter steht nach Informationen des Hamburger Abendblattes im Verdacht, einen schweren Verkehrsunfall auf der Autobahn 24 Hamburg-Berlin verursacht zu haben. Dabei kamen gestern drei Menschen ums Leben. Wolter beging danach Unfallflucht. Die Polizei fasste ihn wenig später in Schwarzenbek (Kreis Herzogtum Lauenburg). Der Schauspieler war in den 60er-Jahren durch seine Rollen als Sam Hawkins und Hadschi Halef Omar in mehreren Karl-May-Verfilmungen an der Seite von Old-Shatterhand-Darsteller Lex Barker bekannt geworden. Offiziell wollte die Polizei am Abend allerdings nicht bestätigen, dass es sich bei dem Festgenommenen tatsächlich um den 75 Jahre alten Schauspieler handelte. Unklar war bis zum späten Abend auch, mit welchem Ziel Ralf Wolter auf der Autobahn 24 unterwegs war. Nach Polizeiangaben spielte sich der tragische Unfall so ab: Der Fahrer war mit seinem 5er BMW in einem Baustellenbereich mit verschwenkter Fahrbahn in einen Stau Richtung Berlin geraten. War er zu ungeduldig? Tatsache ist: Er wendete und überrollte die 10 Zentimeter hohe Mittelmarkierung zur Gegenfahrspur und fuhr davon. Das Manöver zwang zahlreiche Fahrzeuge zur Vollbremsung: Der 35 Jahre alte Fahrer eines Lastwagens bemerkte die Hindernisse zu spät und schob einen vor ihm stehenden Pkw gegen einen haltenden Lastwagen. In den Trümmern des total zerstörten Personenwagens starben eine 66-jährige Frau sowie zwei 66 und 70 Jahre alte Männer. Beide Lastwagenfahrer erlitten schwere Schocks. Auch ein weiterer Autofahrer als Augenzeuge des schrecklichen Unfalls musste mit einem Schock behandelt werden. Nach dem Unfall bildeten sich in beiden Richtungen kilometerlange Staus. Die Autobahn war für mehrere Stunden gesperrt. Ralf Wolter, der heute in München lebt, war zuletzt bei verschiedenen Privattheatern engagiert und hatte noch vor wenigen Wochen an der Komödie im Bayerischen Hof gespielt. In ganz Deutschland aber ist er vor allem durch seine Rollen in den Karl-May-Verfilmungen bekannt. Seine Paraderolle als Sam Hawkins spielte er auch 1991 bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg.dpa

  • #7

    klaus (Dienstag, 26 Oktober 2010 09:07)

    auch winnetou wäre mit dem auto gefahren, hätte er eines gehabt. stattdessen wohnte er in seinem kleinen zelt neben dem kirschbaum, während wir versuchten, mit holzstöckchen ein gerät zu konstruieren, mit dem man sich von einer stelle zur anderen beamen konnte. abends krabbelten wir dann zusammen in den wald.

  • #8

    flommersfeld (Dienstag, 26 Oktober 2010 09:41)

    Paul Gnuva berichtet von den Dreharbeiten zu "Winnetou III": "Winnetou - am Steuer eines großen Citroens mit Pariser Nummer. Wir fahren zu einem der Drehorte, einem Wasserfall im Gebiet der Pliwitzer Seen. Winnetou geht mit 100 km in die Kurven. Er fährt so rasant wie er reitet. Unvermittelt tritt er auf die Bremse und hält sich schön artig an den weißen Strich. Und tatsächlich lauert hinter der dritten Kurve die jugoslawische Verkehrspolizei. "Sie sind ein ausgezeichneter Kundschafter", meinte ich. Pierre Brice tippt sich mit dem Finger an seine Nase. Witterung aufnehmen!"

  • #9

    flommersfeld (Dienstag, 26 Oktober 2010 10:45)

    eventueller schluß:

    Der Militärarzt bemühte sich um den schwerverwundeten Winnetou. Er hatte getan, was er konnte. Zu Old Shatterhand sagte er: «Ich kann die Kugel nicht entfernen, sie steckt zu nahe dem Herzen.» Old Shatterhand packte ihn vor der Brust und flüsterte: «Und?» Der Arzt hob ein wenig die Hände und ließ sie wieder fallen. Dann sagte er leise: «Das liegt in Gottes Hand.» Old Shatterhand kniete wieder neben Winnetou und schaute angstvoll in sein bleiches Gesicht. Winnetou lag mit geschlossenen Augen und atmete flach. Old Shatterhand blickte im Geiste auf die Vergangenheit zurück und sah sich reiten, über Prärie und Savanne, durch Felsengebirge und an Wasserfällen. Er sah sich reiten, immer Seite an Seite mit Winnetou, galoppierend und im Schritt, bei Tag und bei Nacht. - Er erlebte im Geiste noch einmal, wie er Winnetou zum ersten Male getroffen hatte, wie er ihn vom Marterpfahl befreit hatte, wie sie Blutsbrüder geworden waren. Da schlug Winnetou die Augen auf und schaute seinen Freund ganz klar an. Der Widerschein eines Lächelns flog über sein Gesicht. Er sprach leise: «So hat Winnetou seine Aufgabe doch erfüllen dürfen.» Und seines Freundes Hand leise berührend flüsterte er:
    «Mein Bruder Charly . . .» Still antwortete Old Shatterhand: «Winnetou, mein Bruder.» Müde schloß Winnetou die Augen. Sein Kopf fiel zurück. Old Shatterhand wußte, daß sein roter Bruder nun tot war. Noch eine Weile blickte er auf den Toten nieder. Dann stand er auf, ging zum Felsabsturz hinüber und schaute auf das im Abendschein leuchtende, unendliche Land hinaus. Unten im Tal lagerten die Soldaten. Der Kampf war vorbei, der Friede zwischen Rot und Weiß gerettet. Winnetous Aufgabe war erfüllt, doch er selber, der große Häuptling der Apatschen, war tot.

  • #10

    klaus (Mittwoch, 27 Oktober 2010 07:46)

    der buddhistische hummer im kochenden wasser: dass sein toter bruder nun rot war.

kettenbrief

flommersfeld (Mittwoch, 06 Oktober 2010 23:07)

nussknackersuite
nuss vom pferd
steigt nuss
nuss tata
drei vögel leicht
heckmeck-meck
nuss tata spring
spring auf
pick drei drei spring tata nuss tata spring tata
eieiei
tim tata tu taba tin tan tan
spring auf
nuss tata tim
springt auf
zeigt hirn
zweilappig

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Kommentare: 7
  • #1

    klaus (Donnerstag, 07 Oktober 2010 20:45)

    fangen wir also wieder von vorne an: die nüsse sind weg. der winter war lang und die ernte schlecht. nicht nur in der zeitung konnte man es lesen. die nachbarin passt auf die katze auf, verteilt den kuchen und erntet eine nuss zum dank. zusammen mit einer kerze und drei kiwis aus dem tessin. und wir fangen wieder von vorne an: die katze gewöhnt sich und der baum ist leer. die blätter hängen hoch, aber ansonsten ist es leer. der winter war lang und die nachbarin passt auf die kerze auf. sie erntet einen dank in form von einer nuss, einer katze und kisiw aus dem tessin. das licht brennt unter dem baum und wir warten auf den nächsten winter. noch ist es herbst, wir sind zurück und fangen wieder von vorne an. wir brauchen dringend jemanden, der auf die nachbarin acht gibt. das ist leichter getan als gesagt. ein ganzes jahr lang sollte man auf sie aufpassen müssen, dann ist es wieder herbst und der sommer edlich vorbei. wir fangen wieder von vorne an und schenken der nachbarin eine kerze. sie friert. im tessin aber war sie alt.

  • #2

    flommersfeld (Dienstag, 12 Oktober 2010 15:09)

    das leuchten im herbst kommt von unten
    es zieht der mücken not
    in handbeschuhte tage
    der gamsbart legt uns brocken in die brühe
    und harkt das kraut mit einem zinken
    strohig walkt die kuh die rinde
    bis die sterne fallen in die silben
    und pflücken den salat

  • #3

    klaus (Mittwoch, 13 Oktober 2010 22:19)

    ach ja, die mücken. eine vereinzelte findet sich weiterhin tapfer im schlafzimmer. wenn es hell wird, geht der blick nach draußen, abends tut er das nicht. mücken sind nur abends sichtbar. zumindest gerade jetzt. das rücklicht am neuen fahrrad beleuchtet die waschküche rot, selbst wenn es bereits seit einer halben stunde dort steht.

  • #4

    flommersfeld (Freitag, 15 Oktober 2010 13:07)

    fangen wir also wieder von vorne an
    der baum ist leer
    leer sind die katzen
    die kerze der nachbarin leuchtet bis ins tessin
    dort suchen sie dringend jemanden
    der die kuchen erntet
    und die kiwis in netzen einholt
    das rücklicht brennt immer noch
    an der türe kratzt der erste frost
    brocken in der brühe
    kraut am zinken
    adam und eva vor dem silbenfall
    fangen wir also wieder von vorne an
    in schaum zerteilt der tropfen sich
    ich spezialisiere mich auf das portrait junger frauen in badewannen

  • #5

    klaus (Samstag, 16 Oktober 2010 10:04)

    wenn ich an diesen garten denke, dann ist es selten herbst. es ist sommer und die erbsen wachsen und die erdbeeren und die kartoffeln und das gemüse. ich habe ein kleines beet für mich. dort wachsen brombeeren und pfefferminze. von der schaukel aus kann ich das alles erkennen, ab und zu. warum war ich da nie im herbst? im winter saßen wir im zimmer und haben, regelmäßig am ersten weihnachtstag, weihnachten gefeiert. hier gab es einen künstlichen weihnachtsbaum, der, zusammen mit dem räuchermann, aus den oberen stockwerken befreit wurde. das wiedererkennen des baumes hatte etwas beständiges und außergewöhnliches. die großeltern waren die einzigen menschen mit künstlichem baum damals weltweit. im frühjahr kamen die zwerge in die erste kleine wiese gleich unten links am beginn des gartens. noch vor der schaukel. es gab auch eine vogeltränke mit frosch in der mitte. auch diese gesellen hatten etwas beruhigen regelmäßiges. nur wenn die zwerge da standen, konnten die pflanzen wirklich wachsen.

  • #6

    klaus (Sonntag, 17 Oktober 2010 10:36)

    der vater holte die mutter ab. der vater kam von seiner arbeit, musste im sessel unter der kuckucksuhr sitzen und bier trinken. das kind wollte den geruch nicht mögen und liebe nachhause. die mutter hatte den ganzen tag im garten gearbeitet. um 11 uhr wurde mittag gegessen. salat und kartoffelpürée und milch dazu, zum beispiel. die milch gab es in plastiktüten. damit diese besser zu handhaben waren gab es eine art großen plastikbehälter, in die die tüte, oben mit der schere geöffnet, hineingestellt werden konnte. nach seinem krankenhausaufenthalt, bei dem es fast gestorben wäre, wünschte sich das kind: salat und kartoffelpürée.
    im sommer gab es auf der zweiten kleinen wiese links, dort wo früher da indianerzelt stand, eine rutschbahn und das planschbecken.

  • #7

    klaus (Dienstag, 19 Oktober 2010 09:25)

    selten saßen junge damen in dem zum garten gehörenden haus. nach dem bad: hoffentlich raumschiff enterprise oder daktari statt sportschau. die nuss steigt vom baum. der apfel rollt und rollt und rollt. der stamm bleibt stamm. das wasser wird abgelassen und alles wirkt ein wenig kalt. da kann die nuss fallen und der apfel rollen. die tür nach draußen bleibt samstags verschlossen.

blumenpfand

die mittagsblume blüht auf deiner haut
sie schenkt ihr gelb
und öffnet alle poren
sie blinkt in dunkler nacht
und segelt zwischen den azoren
sie kitzelt einen wal

ich gebe sie als pfand den gold'nen amoretten
damit sie ihren pfeil nicht blind verschießen
und ich an deiner seite unbehelligt leben kann
und trifft mich eine doch
so fall ich nicht ins loch
weil deine hand mich führt
durch einen garten

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Kommentare: 12
  • #1

    klaus (Freitag, 24 September 2010 09:49)

    mit meinen zehen erreiche ich das gras, das grün ist wie immer, aber sinkt und bald verschwindet...

  • #2

    flommersfeld (Freitag, 24 September 2010 10:41)

    zehenzergang
    im grasgewitter
    sinkt und schwindet
    durch die vier mägen der kuh
    klappert das gebiß
    und erforscht das fassungsvermögen
    110 bis 230 liter
    welches man für ein schwein
    gebaut völlig anders
    in milch umzusetzen
    durch den schlund
    in die bauchhöhle
    eine mächtige gärkammer
    ins maul zurückgefördert
    und dort eingehend zerkaut
    vier
    versauert
    zum stillstand

  • #3

    klaus (Samstag, 25 September 2010 09:45)

    in grasgewittern wälzt sich der ältere mann,
    wälzt sich um sein leben, das selten aufsteht,
    gedreht und gewälzt, während die gräser zittern,
    um einen Blick auf den rasenmäher zu werfen,
    den schnitter, den man noch selbst in der hand führt,
    hin, hin zum grase!

  • #4

    flommersfeld (Samstag, 25 September 2010 12:41)

    hin, hin
    alles hin
    keine panik
    sich vor den rasenmäher zu werfen
    ist keine lösung
    das kornblumenblau hält sich standhaft
    und verteidigt seine position
    wächst sich aus zum nachtblau
    mit hase und reh hält der förster die andacht
    zu erklären gäbe es vieles
    hin hin
    alles hin
    tom dooley
    während die gräser zittern
    schält sich der mond
    und wirft seine rinde
    in den murmelnden bach

  • #5

    klaus (Sonntag, 26 September 2010 12:07)

    förster und reh haben im garten nichts verloren!
    genausowenig wie der fuchs,
    der dann aber doch ab und an kommt,
    den stall findet und die enten frisst.
    oder die hühner.
    oder es kommt das wildschwein,
    das den nachhauseweg nicht mehr findet und irrt.
    und dann darf der förster doch,
    auf anruf und bestellung kommt er
    und schießt das schwein,
    das eigentlich doch gar keine schuld mit sich trägt.
    kein mörder ist. vielleicht ein desperado.
    dann tot liegt und schinken bildet.
    da gibt es nichts zu erklären.
    der mensch ist des schweines wolf.
    im garten oder im wald oder der fabrik.

  • #6

    flommersfeld (Montag, 27 September 2010 10:36)

    blue moon

    denkt das schwein

    und beißt in den schinken
    und labt sich nach art der giraffen
    an den blättern der bäume
    es hat einen traum

    dass nach seinem tod

    der förster ihm schaufelt ein grab
    und wind bläst durch die pfeifen der orgel

    und ente und fuchs

    und hase und luchs

    sich schmücken mit federn
    die die magd hat im garten verlesen
    doch hüte dich kind!

    in der küche kocht ein gieriger wolf
    caro kaffee

  • #7

    flommersfeld (Samstag, 02 Oktober 2010 11:40)

    schnee fällt
    sinkt in einen baum
    verklingt ein echo
    dame pickt die daunen
    bubenpracht fegt heutanzboden
    ein kondenzstreifen schnurrt zu einer eleganten spirale
    die regenbogenforellen wälzen sich im paniermehl
    und pfeifen auf ihre vergangenheit
    die gute butter
    unterfüttert die haut
    das hätte man sich nicht träumen lassen
    noch ist der himmel blind
    der metzger entbindet die augen
    und schenkt sie dem schielenden kind
    einer schießt ein foto
    übermütige pixel erobern das eis
    und belichten eine ansichtskarte
    die ein schlitten durchkreuzt

  • #8

    flommersfeld (Samstag, 02 Oktober 2010 14:08)

    http://flommersfeld.podspot.de/files/wolf.mp3
    http://flommersfeld.podspot.de/files/schnee02.mp3

  • #9

    klaus (Montag, 04 Oktober 2010 19:40)

    ich träume nachts von einem ding, das ein plump fallendes geräusch erzeugt. kurz darauf werde ich geweckt von einer fallenden nuss im garten. schafft es das menschliche gehirn, die dinge erst in einen traum einzubauen und danach erst ins real erlebte bewusstsein zu schieben? oder sind da einfach nur zwei nüsse gefallen?

  • #10

    flommersfeld (Dienstag, 05 Oktober 2010 20:30)

    die nuss fällt
    vom traum in den schlaf
    fällt sie?
    oder steigt sie vom pferd?
    tickt ein bewußtsein?
    gibt sie ein echo
    das unser schlaf rückwärts verbucht?

  • #11

    klaus (Mittwoch, 06 Oktober 2010 17:58)

    die nuss steigt vom pferd!
    die nuss steigt vom pferd!
    eindeutig!
    jetzt, wo du es sagst,
    habe ich es gesehen,
    hinter der hecke,
    die schwere nuss
    auf dem leichten pferd!
    das eichhorn springt
    sich in sicherheit
    und die drei vögel
    picken ins leere.

  • #12

    flommersfeld (Mittwoch, 06 Oktober 2010 23:07)

    nussknackersuite
    nuss vom pferd
    steigt nuss
    nuss tata
    drei vögel leicht
    heckmeck-meck
    nuss tata spring
    spring auf
    pick drei drei spring tata nuss tata spring tata
    eieiei
    tim tata tu taba tin tan tan
    spring auf
    nuss tata tim
    springt auf
    zeigt hirn
    zweilappig
    drei vögel atmen das echo
    eichhorn sitzt auf dem ast
    nuss fällt vom baum
    reißt eichhorn vom pferd
    steigt auf
    drei chinesen
    ja was ist denn das?

wie man sich bettet ...

der mann im mond ist epiktet
er balanciert über der wüste
er schläft niemals außerhalb des betts
denn im bett werden wir geboren
und im bett kommt zu uns der tod
das bett gibt dem glück einen rahmen
kennt den rausch, die extase
wärme und nähe
entfacht auch den streit
oder ist kaltes lager
dem einsamen öffnet es sich
und nimmt ihn in einen kokon
mit dem mancher arglos verwächst
oder aus dem er am morgen entschlüpft
als achtbarer falter

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enterprise

kein herbst im raumschiff
die daten gilben nicht
der schirm zeigt wandernde kometen
sie hungern und sie dürsten nicht
sie wählen eine bahn
und driften weit
durch raum und zeit
der sonne schenken sie den schweif
und geben ihre krone ab
was bleibt, ist nur ein nackter kern
doch der kehrt prächtig wieder

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Kommentare: 2
  • #1

    klaus (Donnerstag, 02 September 2010 07:27)

    das find ich super! dazu habe ich gestern abend, in unkenntnis dieses gedichtes, eine kleine skizze gemacht, die dazu wunderbar passen würde!

  • #2

    flommersfeld (Donnerstag, 02 September 2010 10:41)

    da freu ich mich!

der indianer

immer feiler der holunder lacht
bis der indianer mit dem bogen geigt
und seine welt in bunte schemen kleidet
er türmt sie auf zum himmel
mit seiner feder kitzelt er
die eumeniden wach
und nährt den brombeerstrauch
mit einem sanften regen
bis der schlaf ihn an den füßen packt
und auch der mond sich dreht

kopfunter

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traum

das asthenische mädchen untersucht das enge bett nach hartherzigen teddybären, die ihre taktik verschleiern und in ihren herzen harmlose passwörter tragen: tausendschön, usambara, löwenmäulchen, vergissmeinnicht, petunie. der modrig-süße geruch von patchouli legt sich schwer auf ihre brust und lässt sie heuartig ausholzen. sie bildet den blaugrünen schimmel, der allmählich ins weiße changiert und ihrer haut die charakteristische farbe verleiht. ein ungar ziseliert seinen schnurrbart und pfeift eine melodie: „flackerndes feuer, zelte, die träumen, ruhloser nachtwind, fern in den bäumen“. er streichelt sein hündchen und wendet sich einem burschen zu, der schon geraume zeit im schatten einer birke verweilte und sich ihm nun ehrerbietig nähert. er überbringt ein samtig blaues damenhalsband und lächelt verlegen. „die herzogin erwartet sie um neun.“ schon wendet er sich rückwärts und geht mit flotten schritten ab. der ungar fühlt, dass es nicht bei einer plauderei bliebe und saugt goldfarbenen tabak über die nase ein. (die nase hatte in der vorstellung der aufklärung als direkter zugang zum gehirn, dem sitz der ratio, eine ganz besondere bedeutung. um nun den freien zugang zur nase zu ermöglichen, verwarf man sogar den schnurr- und knebelbart des 17. jahrhunderts und rasierte sich die oberlippe glatt. allzu exzessives schnupfen beeinträchtigte natürlich den geruchssinn, was allerdings angesichts der damaligen hygienischen verhältnisse kein großer verlust war.)

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ritterstern

mitten im august
geht die gelbe brause aus
es äst der bauer unter seinen rindern
die amaryllis verschleudert ihren stern
und lässt die hoffnung schwinden
daß dieser sommer bildet einen kern
der sich selbst zum garten macht
und überwintert

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Kommentare: 4
  • #1

    klaus (Donnerstag, 26 August 2010 08:23)

    lass uns doch ein garten- und/oder landschaftsbuch machen!

  • #2

    flommersfeld (Donnerstag, 26 August 2010 09:27)

    sehr gern! freue mich sehr über dein angebot!

  • #3

    klaus (Freitag, 27 August 2010 22:21)

    dann sollten wir einfach demnächst mal anfangen!

  • #4

    klaus (Samstag, 28 August 2010 09:57)

    Ich mein' das wirklich ernst. Ein schönes, anschauliches, feines Buch, das die Leute gerne verschenken werden, weil sie sowas einfach noch nicht in der Hand gehabt haben.
    Ich hocke hier und seh es in Gedanken just vor mir!

nix los

still steht die straße
beurlaubt sind die kinder
das einmaleins des glockenturms
verheißt keinen lottogewinn
kleider gehen ohne leute aus
schuhe schlüpfen in den ställen unter

büsten suchen ihren halter
kaminlos rauchen herzen
alle bräute machen blau
ach, wie ist der tag heut lau
au, au, au
au weia

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wo immer du bist

wo immer du bist
wo immer ich war
da steht ein schild
da zieht ein schwan
im teich seine bahnen
da blüht der flieder
„bitte nicht baden!“
da folgt der vater dem kind

unter herbstzeitlosen
durchleuchtet die mutter das grün
mit gebogenem hals zählt sie die schläge
der zahnlosen glocke
wirft ihre röcke zu boden
und atmet das rosige fleisch
unschuldiger jugend

ich geh nicht verloren
ich schwimme auf pfützen
und ziere als feder die mützen

wo immer du bist
wo immer ich war
da steht ein schild
„bitte nicht blitzen!“
da lacht mona lisa
und berührt meinen arm

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der ungebetene gast

im tintenrausch der blüte akelei
sucht der sperling noch das glück vergangner tage
und belichtet blass ein foto
das ihn zeigt mit einer dame
in deren haar sich seine federn fanden
lange hat er dort gebrütet
hat den flug erahnt, die bahn geatmet
hat sich bis nach afrika geträumt
doch nun hat die dame einen freund
der durchforstet ihre haare
verzeichnet jeden fund in einem kleinen buch
und stellt die stücke aus
zeigt sie dem besucher
der heute über die gestutzte hecke
in den garten sprang
und dann nicht mehr gehen wollte
bis ihn ein livrierter diener
höflich, aber doch bestimmt
in eine helligkeit bugsierte
in der nur schemen tanzten
nun schließt sich eine blende über ihm
und namen zittern
durchs nächtliche spalier
doch er bleibt unerwähnt
und sickert mit dem letzten ton
in die pupille des betrachters

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märchen

rabenschwarz kämmte der tag ihr dünnes haar und verhehlte nicht, dass die zigarette blaugrau gegen den horizont züngelte. der sheriff verschloss ihre roten fingernägel in der schreibtischschublade und verschluckte den schlüssel, der ihn bald darauf mit einem hartnäckigen schluckauf plagte. hicksend goss er sich einen whisky ein und fixierte sein gegenüber am strohigen schnurrbart. „du entkommst mir nicht!“ sagte er und spannte ihre lippen über die stuhllehne, deren stäbe zu einer klaviatur zusammenrückten. er schlug wilde akkorde. doch ihr auge verpuppte sich und milchig rückte alles fern. wolkig flutete der abort die engen kammern und beschuhte ihre füsse. milky way – sie glitt über den nassen steg und badete im waldsee, bis ihr dämmriger teint den waldrand verschattete und einige rehe ins feuchte moos lockte. „das ist kein gutes zeichen“, sagte der jäger und befeuchtete den finger, der in sein taschentuch harzte.

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sansibar
titel aus meinem podcast "karls zimmer" (flommersfeld.podspot.de)
sansibar.mp3
MP3 Audio Datei 2.8 MB

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